unsere Eule

 

Am Neujahrsmorgen des Jahres 1984 unternahmen Christl und ich einen Spaziergang durch den Karlsruher Schloßpark. Der Anlaß war eine Ausstellung von sperrigen Kunstobjekten auf dem Platz vor dem Schloß.  

 

1.1.1984, Karlsruher Schloß

Karlsruher Schloß am 1. Januar 1984

 

Im Park entdeckten wir, versteckt unter Bäumen, verschieden-artige Eulen der Majolika. Im Folgenden werden einige der Eulen gezeigt. Zum damaligen Zeitpunkt hatten wir sie fotografiert, weil sie uns sehr gut gefallen haben, ohne dass wir begierig gewesen wären, Näheres über sie zu erfahren.

Christine am 1.1.1984

Sieht eigentlich recht menschlich aus!

Christine + Eule, 1.1.1984

Solche Öhrchen am Neujahrsmorgen 1984 musste man anfassen!

Eulen am 1.1.1984

Die rechte Eule hat uns besonders gut gefallen.

Eule im Schloßpark, 1.1.1984

Unser Näherkommen scheint ihr nicht ganz geheuer zu sein.

Schloßpark Karlsruhe, 1.1.1984

Wenn ja, wie viele seid ihr?

Schloß, 1.1.1984

1.1.1984. Rundgang beendet.

Im Juni 2012 war bei uns die Idee gereift, eine Eule, ähnlich den oben gezeigten, bei uns im Garten aufzustellen. Ahnungslos waren wir allerdings. Wir dachten zunächst, die Karlsruher Eulen bestünden aus steinernen "Findlingen". Dann recherchierten wir die Herkunft der Schloßpark-Eulen und fanden folgenden Link:

http://ka.stadtwiki.net/Skulpturen_in_der_Innenstadt

Man lernt dort, dass die Eulen-Skulpturen von der Künstlerin Eva Fritz-Lindner für die Bundesgartenschau in Karlsruhe im Jahr 1967 kreiert worden waren. Die Schloßpark-Eulen in Karlsruhe sind heute also bereits 46 Jahre alt. Wir fanden dann auch bald heraus, dass Eva Fritz-Lindner eine Künstlerin der Majolika war. Vom 9.3. bis zum 27.4.2003 hatte sie zuletzt eine Einzelausstellung in der Majolika. Dem Link

http://kunstportal-bw.de/majolikalindnerstart.html

entnahmen wir, dass die Künstlerin Eva Fritz-Lindner zu den langjährigen und gleichzeitig beliebtesten Künstlerinnen der Majolioka Manufaktur Karlsruhe gehört. Seit 1955 arbeitet sie mit der Karlsruher Majolika zusammen. Da sie sich in den 70er Jahren intensiv der Baukeramik widmete, begegnet man ihren Werken in Baden-Württemberg überall. Bei Sammlern ihrer keramischen Kleinkunstobjekte sind es oftmals ihre skurrilen und phantasievollen Tierwesen, die ihre Schalen und Krüge bevölkern und bei so manchem eine rechte Leidenschaft entfachen. Wir haben schließlich auch noch die Adresse und die Telefonnummer der heute um die 80 Jahre alten Künstlerin herausgefunden. Eines Tages habe ich sie einfach angerufen. Man kann  sagen, dass wir uns schon beim ersten Gespräch näher kamen. Wie sprachen über Gott und die Welt. Es stellte sich heraus, dass mein Institutsleiter am damaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe, Professor Dr. Wolf Häfele, viele Jahre lang der geschätzte Nachbar von Frau Fritz-Lindner am Durlacher Turmberg war. Irgendwann fragte ich dann, ob es denkbar sei, dass Frau Fritz-Lindner nach 46 Jahren nochmals eine Eule als Unikat für mich herstellen könne, angelehnt an die Eulen, mit denen sie sich schon zu Lebzeiten selbst ein Denkmal gesetzt habe. Sie bejahte dies, bemerkte allerdings, dass damit sehr viel Arbeit, auch Schwerarbeit, verbunden sei, und eine solche Eule auch ihren Preis habe. Sie nannte einen fünfstelligen Betrag in Euro. Wir stimmten dennoch zu. Später, nachdem wir noch oft telefoniert und geschrieben hatten, machte Eva Fritz-Lindner das großzügige Angebot, dass wir ihr die Eule nur abnehmen müssten, wenn sie uns gefiele. Von nun an erhielten wir von Zeit zu Zeit telefonische Fortschrittsberichte, die immer mit einer geistreichen Unterhaltung mit der in Düsseldorf geborenen Tochter eines Berufsoffiziers einhergingen. Eines Tages hieß es, die Rohform der Eule sei fertiggestellt, und wir erhielten das folgende Bild von Frau Eva Fritz-Lindner mit der noch ungebrannten 100 kg schweren Eule:

 

Roheule, 27.11.2012

27.11.2012. Eva Fritz-Lindner und "unsere" ungebrannte Eule.

 

Nun verfügte Frau Fritz-Lindner nicht mehr selbst über einen hinreichend großen Brennofen. Außerdem brauchte sie natürlich Hilfe, um den gewaltigen, schweren, wenn auch hohlen Tonklumpen zu bewegen. Sie beschloss, das Brennen bei der Majolika durchzuführen. Die Roh-Eule konnte aber um die Jahreswende 20012/2013 nicht transportiert werden, weil draussen Dauerfrost herrschte. Gift für die langsam trocknende Eule! Schließlich fanden wir dann diese frohe Nachricht auf unserem Telefonbeantworter vor.

Anruf aus Karlsruhe, 12.3.2013
Mitteilung, dass die Eule erfolgreich gebrannt worden sei
Fritz-Lindner 2.wma [373.2 KB]

 

 Jetzt wurde es hektisch. Wir mussten den exakten Standort wählen, ein Fundament vorbereiten lassen, den Transport mit einer auf Kunst spezialisierten Spedition ausmachen und natürlich ... die Eule in Durlach besichtigen. Den Standort fanden wir leicht. Die Eibe war schon von vornherein klar. Frau Fritz-Lindner hatte auch unseren Wunsch entgegengenommen, dass Eibenfarbe und Eulenfarbe miteinander harmonieren sollten. Für die Ausrichtung nahmen wir eine Einkaufstüte und einen Sonnenschirmständer zu Hilfe. Diese Eulenattrappe verschoben wir so lange, bis wir mit den Anblicken aus jedem Fenster zum Garten zufrieden waren.  

 

Soll-Standort für die Eule


Am 3. April 2013 hatten wir uns mit Frau Eva Fritz-Lindner in Karlsruhe-Durlach in ihrem wunderschönen Haus am Turmberg zur Besichtigung der Eule verabredet. Wir werden bald mit mehr Zeit wiederkommen, denn im Haus und auf der großen Terasse vor dem Wohnzimmer gibt es, wie man sich leicht denken kann, einiges anzuschauen. Das großzügige Haus ist von der Straße und der Garage aus nur über einen sehr steilen Weg zu erreichen. Deshalb war die gebrannte und glasierte Eule nach ihrer Rückkehr von der Majolika in der Garage abgestellt worden. Der schlecht gesicherte Weg ist wohl auch der Grund dafür, dass die alte Dame ihr Haus nur verlässt, wenn es unumgänglich ist. Als wir sie besuchten, war auch ihr Sohn aus Wiesbaden anwesend. Er firmiert als "Team Lindner" und scheint sich um die geschäftlichen Interessen seiner Mutter zu kümmern. Als wir "unsere" Eule zu Gesicht bekamen, da gehörte sie uns auch sofort. Niemals hätten wir ihr einen Platz in unserem Garten vorenthalten wollen! Auch Eva Fritz-Lindner hatte sich inzwischen so an die Eule gewöhnt, die ihr so viel Mühe abgerungen hatte, dass sie sich nicht leicht von ihr trennen mochte. Wir hätten übrigens ohne weiteres vom Kauf zurücktreten können. Die Majolika Manufaktur hätte sie gern als Ausstellungsstück für sich behalten, denn sie verfügte schon seit Jahren nicht mehr über ein so stattliches Objekt. Den angebotenen Champagner mussten wir als Leute, die sich vor mehr als vier Jahren entschlossen hatten, keinen  Alkohol mehr zu trinken, leider ausschlagen. Und weil wir mit Karlsruher Freunden zum Essen im Turmberg-Restaurant verabredet waren an dem Frau Fritz-Lindner nicht teilnehmen mochte, war die symbolische Eulen-Übergabe in der Garage etwas knapp und nüchtern geraten. Auf einem der dazugehörigen Bilder unten hält Frau Fritz-Lindner eine großes Foto von einer der Schloßpark-Eulen in der Hand, das ich ihr mitgebracht hatte. 

 

 

3. April 2013 in Durlach


Eule in Durlach, 3.4.2013

Für den Transport haben wir die Eule vermaßt.

8.4.2013. Fundament für die Eule

Am 8. April 2013 wurde ein Fundament für die Eule am festgelegten Standort hergestellt.

8.4.2013, Rasimirs Schleife

Am 8.4.2013 wurde auch Rasimirs Betätigungsfeld etwas beschnitten.

10.4.2013. Lieferung der Eule

10. April 2013. Endlich war es so weit! Die Eule wurde, früher als erwartet, geliefert.

10.4.2013. Frau Kesselhut zieht ein

10. April 2013. Frau Kesselhut, wie wir unsere Eule inzwischen mit Zustimmung von Eva Fritz-Lindner genannt hatten, zieht ein.

10.4.2013

Die Entpuppung beginnt.

10.4.2013

Wenn man sie anhebt, kann man die Blickrichtung von Frau Kesselhut noch ändern.

Ist-Standort für die Eule


Eule am 14. und 25. April 2013


14.4.2013

14. April 2013. Frau Kesselhut denkt nach.

25.4.2013, Eule

25. April 2013. Nur am Abend streift das Sonnenlicht ganz kurz die Eule.

TOP